[Wichtige Hinweise zu den
Lizenzen] · [Wo gibt es
kostenlose Software]
Software-Liste:
[Betriebssysteme], [Anwendungen],
[Sicherheit]
Der folgende Artikel ist die Ergänzung zu einem Vortrag, denn ich für Schulleiter der WTEO halte. Es geht dabei darum, die Rechtslage für den Schulleiter zu klären, der freie Software nutzt. Dieser Artikel ist die Zusammenfassung einer Recherche zur aktuellen Rechtslage (Stand: Ende 2006), stellt aber keine Rechsberatung dar. Leider ist das Thema sehr komplex und die Rechtsprechung entwickelt sich noch. Wem von der rechtlichen Seite Ärger droht, der sollte mit diesem Artikel zum Fachanwalt gehen und sich entsprechend aufklären lassen.
Die Möglichkeiten und die Qualität freier Software
Die Nachteile für den ehrlichen Käufer kommerzieller Software: Kontrolle des Nutzungsverhaltens, umständliche Installation durch Freischaltcodes und Zwangsaktivierung, undurchsichtige Datenübermittlung, schwere Eingriffe in die Rechnerkonfiguration zum Nachteil des Nutzers (Beispiel SonyBMG)
Rechtliche Konsequenzen und Risiken bei der Benutzung von Raubkopien (wenn man nicht weiß, dass man eine Raubkopie erworben hat) und das erheblich bessere Risiko / Nutzen Verhältnis von freier Software.
Vergleich einiger ausgewählter Produkte: Betriebssystem, Office-Pakete, Packprogramme
Lizenzbedingungen können sich ändern. Manche Software ist erst einmal frei erhältlich und wird dann mit Rückmeldungen der Anwender verbessert, bis sie alle wichtigen Funktionen fehlerfrei ausführt. Dann erhöhen die Entwickler meist die Versionsnummer und die Software wird in irgend einer Art kostenpflichtig (häufig als Shareware).
Deshalb sollte jeder vor dem Download und auch noch einmal während der Installation prüfen:
Ist die Software, die gerade installiert wird, immer noch kostenlos, wie hier behauptet?
Beschränkt sich die kostenlose Nutzung auf den privaten Rechner, oder kann sie auch kostenlos für geschäftliche Zwecke verwendet werden?
Gibt es Hinweise auf Spyware, Adware oder Werbebanner, die von der Software eingeblendet werden?
Nach dem Download sollte man ebenfalls die Lizenzbedingungen aufmerksam lesen und vor allem nach Hinweisen auf Spyware oder andere unerwünschte Beigaben suchen.
Wichtig:
Wenn eine Version kostenlos ist und in den Nutzungsbedingungen die Verwendung für die eigenen Zwecke erlaubt wurde, darf man diese Software auch weiter nutzen, selbst wenn der Anbieter seine Bedingungen für diese oder spätere Versionen inzwischen geändert oder zurückgezogen hat. Der Anbieter kann die Bedingungen einstmals freie Versionen nicht wirksam nachträglich umdefinieren oder, wenn er die freie Verbreitung sogar empfohlen hat diese nachträglich wieder verbieten. Darum sollte man nicht denken "Das kann ich doch immer wieder vom Server herunterladen", sondern aus dem Internet immer komplette Installationsversionen mit den Lizenzbedingungen herunterladen und diese für spätere Nachinstallationen auf eigenen Datenträgern sichern.
Bei kommerzieller Software, die man im Laden kauft oder sonstwie mit einem Datenträger (Wichtig!!) bekommt, entsteht immer ein Kaufvertrag, mit den üblichen Rechten aus dem BGB (Wandlung, Minderung, Weiterverkauf möglich, wenn die Software nicht mehr gebraucht wird). Die kleinen Fenster, die bei der Installation behaupten "Dies ist ein rechtsgültiger Vertrag zwischen Ihnen und dem Softwarehersteller" sind allesamt unwirksam, man kann ihnen ohne Folgen zustimmen, denn: Beim Kauf muss alles auf dem Tisch liegen. Was nicht vorgelegt wurde, kann nicht nahträglich wirksam werden.
Einen Lizenzvertrag kann man immer nur mit dem Lizenzinhaber abschließen. Wer seine Software über einen Händler bezieht, kann also kaum einem Lizenzvertrag zugestimmt haben, denn ein Händler wird in der Regel keine entsprechenden Rechte vom Urheber der Software erhalten haben. Bekannte Beispiele für Lizenzverträge sind die Geschäftskunden von Microsoft, die einen OpenLicence- oder Select-Vertrag haben.
Beim Download von Software sieht die Situation rechtlich möglicherweise anders aus, hier könnte ein Lizenzvertrag zustandekommen. Wegen der besseren Bedingungen sollte beim Kauf von Software dieser Weg vermieden werden und statt dessen immer ein echter Datenträger (CD) gekauft werden, auch bei Shareware. Dies ist auch später der beste Nachweis, dass man die Nutzungsrechte wirklich erworben hat und so läßt sich die Software auch wieder einfach verkaufen oder das Recht auf ein günstigeres Update nachweisen.
Kommerzielle Software, die gekauft und nicht lizensiert wurde, darf
man mit ihrem Datenträger weiterverkaufen, wenn man die eigenen Kopien löscht
und die Nutzung der Software einstellt. Die gekaufte Software ist wie ein
Gegenstand zu behandeln: Es kann ihn nur einmal geben und entsprechend kann
er nicht mehrfach genutzt werden.
Bei lizensierter Software ist dies nur möglich, wenn der Vertrag dies vorsieht.
Nicht immer bekommt man bei linzensierter Software einen Datenträger, wohl aber
das Recht, eigene Kopien herzustellen. Wenn man eine handbeschriebene CD/DVD in
einer Firma sieht, die kommerzielle Software enthält, muss dies keine Raubkopie
sein, sondern entsprechend einem Lizenzvertrag legal hergestellt worden sein.
Wer sie kauft, sollte sich aber über die Inhalte und Folgen der Lizenzvereinbarung
gründlichst informieren lassen.
Wenn die Software nicht läuft, kann man seine Rechte nur gegenüber dem durchsetzen, der das Geld bekommen hat. Wenn also der Softwarehersteller beim Lizenzschlüssel bockt, hat man keine Rechte gegen ihn, man muss vielmehr zum Händler gehen, und dort eine Nachbesserung durchsetzen oder den Hersteller wegen seiner 'Nutzungsstörung' (die ja auf keinem direkten vertraglichen Verhältnis beruht) verklagen - allen, die auch solchermaßen geschützte kommerzielle Software bevorzugen, sei an dieser Stelle viel Spaß gewünscht.
Nach meiner Meinung bietet der Server der c't (Heise Verlag) die beste Quelle für freie Software. Aufgrund ihrer selbstgewählten Rolle als kritischer Beobachter und Verbraucherschützer halte ich das c't-Software-Archiv für eine relativ sichere Quelle. Hier werden Programme nach Vorschlag von Surfern oder nach Rezensionen in eigenen Artikeln vorgestellt. Die Programme sind meist ordentlich kategorisiert und nach verschiedenen Betriebssystemen aufgeteilt. Auch hier sollte mein Hinweis zu den Lizenzen beachtet werden.
Die hier vorgestellte Software ist -nach dem Stand der Erhebung- für private und meist auch gewerbliche Zwecke kostenlos.
Grundsätzlich sollte man das Betriebssystem mit dem Rechner kaufen, der Nachkauf ist meist zu teuer. Auf PC's hat sich als Beigabe Windows durchgesetzt - für Ausbilder, die in der Regel keine PC-Freaks sind, macht es derzeit keinen Sinn, andere Betriebssysteme zu empfehlen. Vor allem, wenn neueste Hardware laufen soll, sind die Treiber zuerst für Windows verfügbar und nur wenige Hersteller liefern standardmäßig auch Treiber für Linux oder andere Systeme mit.
Aber wenn der Rechner älter ist oder ein veraltetes oder gar kein kein Betriebssystem hat, oder wenn Spezialaufgaben wie Web- und Mailserver, Firewall, Proxy, Backup oder Fileserver zu erledigen sind, dann sollte man sich mit diesen Systemen beschäftigen:
Linux: Eine Liste freier Linux-Betriebssysteme gibt es auf www.linuxiso.org. Hier finden sich die Adressen zu verschiedenen Distributionen und deren Downloadbereich.
FreeBSD ist ein weiteres Unix-Betriebssystem, welches auf www.freebsd.org verfügbar ist. Wer den Apple Mac mit OS X nutzt, der hat FreeBSD bereits auf der Platte. Es ist der Unterbau der neueren Mac-Betriebssysteme.
Interessant sind auch die Live-CD's oder Live-DVD's für Linux, die es inzwischen nicht nur als Zusammenstellung unter dem Namen Knoppix, sondern auch von Suse und anderen gibt. Diese Systeme booten direkt von CD/DVD und verändern die Festplatte nicht. So kann man die ersten Schritte mit Linux machen, ohne große Arbeit und ohne das alte System zu verändern. Bei der Suche hilft wieder www.linuxiso.org.
Die üblichen Bestandteile der Office-Pakete liefert in herausragender Weise OpenOffice (OpenOffice.org), welches von Sun gefördert wird. Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationsgrafik, Grafik-Programm, HTML, Datenbank, Formeleditor und einen direkten PDF-Export bietet dieses freie Paket. Wer es installiert hat, sollte nach dem Start der Windows-Version gleich das Menü 'Datei' – 'Assistenten' – 'Weitere Wörterbücher installieren...' aufrufen, um sich deutschsprachiges Wörterbuch, Thesaurus und Silbentrennung zu holen.
Projektmanagement kann auch für Schule und Privatgebrauch interessant werden. Spätestens, wenn man eine neue Schule eröffnen oder am eigenen Häuschen baut, kommen Fragen wie: Wann muss welcher Handwerker kommen? Welche Genehmigung muss bis wann vorhanden sein? Um die Übersicht zu behalten, gibt es mehrere Programme: Gantt Project (www.ganttproject.org) und Open Workbench (OpenWorkbench.org).
Das Packprogramm FilZip gibt es auf www.filzip.de. Nach meiner Erfahrung ist den üblichen kommerziellen Varianten haushoch überlegen.
Neben OpenOffice gibt es eine Reihe von Spezialisten für die Bildbearbeitung und -organisation. ein Programm mit allen Möglichkeiten ist die OpenSource Software The Gimp. Wenn es etwas einfacher sein soll, dann ist auch Picasa von Google geeignet. Hier ist die Nutzung nur eingeschränkt, wenn man direkt Geld mit Picase verdienen will, was auf ein Grafik-, Werbe- oder Fotostudio zutreffen kann, aber kaum auf eine Kampfkunstschule.
Sehr beliebte Programme sind auch XnView und IrfanView, die schnell größere Mengen an Bildern konvertieren oder umbenennen, die aber leider nur die private Nutzung der Software erlauben.
Zur Defragmentierung einer Festplatte unter Windows XP eignet sich das von Autoren der Zeitschrift c't entwickelte kostenlose Programm hdiskdefrag auf www.heise.de: Dort ist es in dem Archiv hdtool11.zip enthalten (falls weitere Versionen kommen, kann sich der Dateiname noch ändern).
Die Sicherheitsrisiken des Internet Explorers und von Outlook sind hinlänglich bekannt. Das freie Mozilla-Projekt bietet hier gleich mehrere Alternativen: Die Komplettlösung Seamonkey beinhaltet Browser, E-Mail, Newsclient und dem Composer zur Webseitengestaltung. Seamonkey ist der Nachfolger von Mozilla, der seinerseits nicht mehr weiterentwickelt wird. Aus dem Mozilla-Projekt heraus wurde schon vor einigen Jahren ein schlanker Nur-Browser namens Firefox und ein Nur-Client für E-Mail und Newsgroups namens Thunderbird (kann Outlookdaten importieren) entwickelt. Wer nur einen Browser oder nur einen Mailclient braucht, sollte zu den Friefox oder Thunderbird greifen, wer lieber alles haben möchte, ist mit Seamonkey am besten bedient.
Nach der Installation sollte man auf Plugindoc.Mozdev.org einige wichtige Plugins, z.B. für Shockwave und Flash herunterladen.
Wer mit einem Webbrowser, OpenOffice oder GanttProject arbeitet, braucht auch Java, zumindest das Java Runtime Environment (derzeit JRE 5.0, zu finden auf java.sun.com/j2se). Die JRE stellt zahlreiche Funktionen bereit, die von beliebigen Programmen dann unabhängig vom Betriebssystem genutzt werden können. Am einfachsten war die Installation des JRE unter Windows, wenn ich es nach den Browsern und vor OpenOffice installiert habe, da dann die Einbindung automatisch abläuft.
Spyware und andere Gaunersoftware erkennen die bekannten kleinen Helferlein wie Spybot Search & Destroy (www.spybot.info), Ad-Aware (www.lavasoft.de) und HijackThis (www.merijn.org). Die Listen der Programme sind allerdings nicht immer ganz einfach zu bewerten. Aber besser ein wenig zu viel beseitigt, als viel zu wenig!