Wasser, Osmose und Destillate

Windige Geschäftemacher versuchen, dem destilliertem Wasser den Stempel des verkannten Gesundheitsmittels aufzudrücken. Den Argumentationen steht dabei selten irgend eine Fachkenntnis im Wege. In besonders dreisten Fällen wird dem Publikum dann noch erzählt, daß unsere Nahrung so Mineralstoffarm sei, und man deshalb auch noch Pillen kaufen müsse ....

[Was ist destilliertes Wasser?] • [Destilliergeräte] • [Ist destilliertes Wasser gesund?] • [Regen = natürliches Destillat?] • [Isotonische Getränke] • [Tafelwasser + Mineralwasser] • [Was ist Osmose?] • [Was passiert makroskopisch?] • [Was ist eine halbdurchlässige Wand?] • [Was passiert mikroskopisch?] • [Was ist Umkehrosmose?]


Was ist destilliertes Wasser?

Normalerweise versteht man darunter chemisch reines Wasser (H2O). Die chemische Reinheit wird meist durch Dampfdestillation erzielt. Für besonders hohe Anforderungen sind jedoch weitere Reinigungsmaßnahmen erforderlich, z.B. mit Hilfe von Ionentauschern.

Destilliergeräte

Ob entsprechend beworbene Hausgeräte zum Destillieren von Wasser wirklich geeignet sind, hängt aber von der Bauform ab. So enthält Trinkwasser häufig gelöste Gase, z.B. Chlor, welches zur Desinfektion eingesetzt wird. Wird Wasser in einem geschlossenen Gefäß einfach nur verdampft und wieder kondensiert, ohne daß das Chlor die Möglichkeit bekommt, zu entweichen, findet es sich im ‘destillierten’ Wasser wieder. Ähnliches gilt für Flüssigkeiten, die einen niedrigeren Siedepunkt wie Wasser haben, z.B. Alkohol, den man durch einfache Dampfdestillation von Wasser nicht trennen kann (wohl aber umgekehrt, indem man den Alkohol destilliert, ohne dabei den Siedepunkt von Wasser zu erreichen).

Die Hersteller empfehlen gerne, das destillierte Wasser sofort wieder zu kontaminieren, indem man Tee oder Kaffee macht. In diesem Zusammenhang mag destilliertes Wasser sicher Vorteile haben, aber beim Trinken ist es eben nicht mehr destilliert. Durch Leitungswasser unterscheidet es sich dann vor allem durch eine teure Wärmebehandlung :-)

Die Hersteller loben gerne die Keimfreiheit des destillierten Wassers. Sicherlich richtig ist, daß die Keime - auch wenn sie das Kochen überleben - nicht mitverdampfen und daher im Destillat nicht vorhanden sind. Aber auf der anderen Seite müssen auch sterile Bedingungen herrschen: Im Kondensationsteil und natürlich in der Tasse, in die das Wasser eingegossen wird. In Deutschland ist übrigens die Anzahl der Keime im Lebensmittel Trinkwasser gesetzlich begrenzt, weshalb die Wasserwerke immer wieder mit Zusätzen nachhelfen müssen, z.B. mit Chlor.

Im übrigen bleibt ist die Frage, ob keimfreies Wasser auf Dauer wirklich so gesund ist, denn jeder Keim trainiert das Immunsystem. Das reeglmäßiger Kontakt mit Keimen das Immunsystem stärkt, zeigen Ärzte oder Krankenschwestern. So ist es bekannt, das z.B. Kinderärzte das nach einigen Monaten der Einarbeitung eine Immunisierung gegen die Kinderkrabkheiten auftritt.


Ist destilliertes Wasser gesund?

Abgesehen von einigen zweifelhaften Quellen wird vor dem Konsum destillierten Wassers allgemein gewarnt. Begründet wird das mit der Zerstörung von Zellen, die mit destilliertem Wasser in Berührung kommen: Da die Zellwände ‘halbdurchlässig’ sind und im Inneren i.allg. eine höhere Konzentration an gelösten Salzen vorliegt, als in mühevoll destilliertem Wasser, dringt das destillierte Wasser in die Zelle ein, erhöht den Innendruck, bis die Zelle platzt.

Ein empfehlenswerter Grundsatzartikel findet sich unter www.ano.de/wasser/tbj-h2o.htm. Dort wird eindeutig Stellung bezogen:

3.3.2 Dampfdestillation
Bei der Dampfdestillation wird Wasser gekocht und der entstehende Dampf dann wieder zu Wasser abgekühlt (kondensiert). Wenn die Kühlspirale dabei aus Quarzglas besteht, bekommt man ein weitgehend unbelastetes aber demineralisiertes Wasser. Bei vielen Destilliergeräten besteht diese  aber aus einer Chrom - Nickel Legierung oder aus Aluminium. Ob dadurch eine Metallionenabgabe an das Wasser stattfindet, sollte dann im Einzelfall untersucht werden. Es können bei der Dampfdestillation nur relativ kleine Mengen lauwarmes Wasser auf Vorrat entnommen werden. Der Vorratsbehälter muß häufig desinfiziert werden, da die Gefahr der Nachverkeimung besteht.
“So können humanopathogene Keime wie Pseudomonas aeroginosa in solchem Wasser rasch auf Konzentrationen um etwa 1 Million im Milliliter vermehren.” [Schriftwechsel Bundesminister für Gesundheit mit Institut für Wasser-, Boden-, und Lufthygiene, Erlaß 416-6460 vom 11.08.1992]
 Zur Destillation wird relativ viel Strom verbraucht (ca. 1 kWh/Liter). Bedenklich ist auch der häufig nachgeschaltete Kohlegranulatfilter zur Geschmacksaufbesserung, da, wie oben besprochen, wieder die Gefahr der Nachverkeimung und Abgabe von Silberionen besteht.
 Der Geschmack von destilliertem Wasser wird von vielen als unangenehm empfunden.
Zur gesundheitlichen Wirkung: “Die Einverleibung größerer Mengen an destilliertem Wasser ist gefährlich, da aufgrund osmotischer Effekte Zellschädigungen eintreten können.” [Römpp, Chemie Lexikon, 9.Aufl, Thieme, 1993], und: “Lebensgefährlich ist der Genuß von destilliertem Wasser während einer Fastendiät.” [Gefragt-gesagt, Zeitschrift Öko-Test, 8/93]

Regen = natürliches Destillat?

Auf der Suche nach einer ‘natürlichen’ Quelle (und Rechtfertigung) behaupten die Anbieter von Destilliergeräten gerne, daß Regen oder Schnee natürlich destilliertes Wasser wäre.

Doch warum sehen dann frisch gewaschene, parkende Autos nach einem Regenguß immer ein wenig schmutzig aus? Ist das angeblich so destillierte Regenwasser doch nicht so richtig sauber?

Sicher ist, daß Regen aus verdunstetem Wasser besteht und diesen ersten Schritt mit dem Destillieren von Wasser übereinstimmt. Doch das war es dann auch schon:

Nicht umsonst spricht man davon, daß die Luft nach einem Regen so richtig sauber sei. Zweifellos ist Regenwasser sauberer, als Oberflächenwasser, aber vom chemisch reinen Wasser ist es noch weit entfernt.

Übrigens: An den Gasen und am Staub in der Luft hat auch die vulkanische Aktivität unserer Erde großen Anteil. Es ist also nicht so, daß unsere Urahnen besseres Regenwasser hatten, weil die Luft so viel sauberer gewesen sei - die Luft war nur auf natürliche Weise verdreckt ...

Isotonische Getränke

Lässt sich der osmotische Effekt nicht doch nutzen? Was wäre, wenn ein Getränk einen entwas geringeren Salzgehalt hätte, als unser Körper, würde das Getränk dann schneller aufgenommen? Zumindest probiert die Getränkeindustrie dieses Rezept und bietet ‘isotonische’ Getränke an, die ungefähr den Salzgehalt des Blutes haben sollen. Das Versprechen der Hersteller, daß diese Getränke am schnellsten vom Körper aufgenommen werden, ist allerdings -wegen der nicht genutzten Osmose- wenig wahrscheinlich.

Tatsächlich sind hypotonische Getränke für den Sportler geeigneter, um den Flüssigkeitsverlust schneller auszugleichen. Aber bitte nicht so hypotonisch, daß es wieder destilliert ist ...

Tafelwasser + Mineralwasser

Gerne wird dem Verbraucher auch ‘Tafelwasser’ verhökert. Die Begriffe ‘Tafelwasser’ und ‘natürliches Mineralwasser’ sind gesetzlich geschützt, nur wenn ein Wasser bestimmte Anforderungen erfüllt, darf es eine der Bezeichnungen führen.

Zugegeben, das ist nicht viel, die Mineralwasserverordnung und die Trinkwasserverordnung sind inkompatibel, es kann sein, daß ein natürliches Mineralwasser nicht als Trinkwasser verwendet werden darf.

Das ‘Tafelwasser’ ist eher Mineralwasser mit reduzierten Anforderungen. Was einige Getränkefirmen ihren Kunden anbieten ist kaum mehr, als mit Kohlensäure angereichertes Leitungswasser - für die Produktion ein enormer Vorteil, da die Abfüllanlage nicht an einem bestimmten Mineralbrunnen stehen muß, sondern überall stehen kann. Für das Marketing ergibt sich die dankbare Aufgabe, dem Verbraucher klarzumachen, daß Tafelwasser seinen Preis wert ist und das Schleppen der Kisten mehr als nur Beschäftigungstherapie für unsportliche Endverbraucher ist.


Was ist Osmose?

Osmose ist ein physikalischer Mechanismus, bei dem eine Flüssigkeit von selbst durch eine ‘halbdurchlässige’ Wand auch gegen einen höheren Druck hindurchtritt und die Flüssigkeit auf der anderen Seite verdünnt. Osmose

Voraussetzung ist, daß

Was passiert makroskopisch?

Es ist zu beobachten, daß die weniger stark konzentrierte Lösung nun durch die halbdurchlässige Wand strömt, um die stärker konzentrierte Lösung zu verdünnen. Der Vorgang hält so lange an, bis ...

Was ist eine halbdurchlässige Wand?

In der Natur gibt es viele ‘halbdurchlässige’ Wände, wie z.B. Zellmembranen. Halbdurchlässig heißt, daß sie bestimmte Stoffe ungehindert passieren lassen, andere Stoffe aber am Durchgang hindern. Halbdurchlässige Wände, die Osmose ermöglichen, sind in etwa ein besonders feines Filterpapier, welches auf der Ebene der Atome und Moleküle den Durchlass gewährt oder verwehrt.

Was passiert mikroskopisch?

Der Ablauf der Osmose hängt vom Druck ab. Mikroskopisch gesehen trommeln die Atome und Moleküle gegen die Wand und wollen durch. Bei einer undurchlässigen Wand trommeln alle Sorten von Atomen und Molekülen gegen diese Wand, die Summe ihres Trommelns ist der Gesamtdruck. Bei Gasen ist das als Gesetz von Dalton bekannt, da sich die Partialdrücke von Lösungsmittel und Lösungsbestandteilen zum makroskopisch meßbaren Gesamtdruck addieren.

Bei einer halbdurchlässigen Wand spürt ein Teil der Atome/Moleküle aber nichts von der Wand, weil diese Wand für diese Atome/Moleküle völlig durchlässig ist. Im Bild ist dies das Lösungsmittel Wasser.

Andere Atome/Moleküle können sich aber nur auf einer Seite bemerkbar machen, für sie ist die Wand undurchlässig, im Bild ist dies das Salz.

Zu Beginn der Osmose herrscht auf beiden Seiten der gleiche Gesamtdruck, weil aber die halbdurchlässige Wand auf der einen Seite den Partialdruck eines Lösungsbestandteils (Salz) für die andere Seite ausblendet, können an der halbdurchlässigen Wand nicht der Gesamtdruck, sondern nur die Partialdrücke der durchgelassenen Bestandteile wirken.
Wenn man einen Druckmesser auf die Wand klebt, kann der nur den Druck der Teilchen messen, welche die Wand durchläßt.

Was nun passiert, ist für die kleinen Atome/Moleküle völlig logisch: Wenn man die Bestandteile der Lösung betrachtet, welche durch die halbdurchlässige Wand hindurch dürfen, dann muß die Summe von deren Partialdrücken auf beiden seiten der Wand gleich sein. Die Teilchen können aber von der anderen Seite der Wand nur den Druck der Teilchen spüren, die auch durch die Wand dürfen. Daher strömt die Lösung so lange durch die halbdurchlässige Wand, bis bei den Partialdrücken Gleichstand herrscht. Daß dabei der Gesamtdruck auf der einen Seite der Wände steigen kann, ist den kleinen Atomen/Molekülen ziemlich egal.

Was ist Umkehrosmose?

Den osmotischen Effekt kann man auch umkehren: Man erhöht auf einer Seite der halbdurchlässigen Wand den Druck, bis das Lösungsmittel, welches die Wand passieren darf, durchgequetscht wird. So funktionieren z.B. Meerwasserentsalzungsanlagen.