Sportwissenschaft

Teil der Sportwissenschaft ist die Biomechanik: Sie ist die Wissenschaft von der mechanischen Beschreibung und Erklärung der Erscheinungen und Ursachen von Bewegung unter Zugrundelegung der Bedingungen des Organismus. Ein Beispiel für ein in der Biomechanik wichtiges Prinzip ist das Prinzip der funktionellen Anpassung, welches Wilhelm Roux (*1850-†1924, deutscher Anatom und Embryologe) bereits 1895 vorgestellt hat. Hinter diesem Prinzip steckt, daß der menschliche Körper sich sehr flexibel äußeren Bedingungen anpaßt, wenn ihn äußere Reize in die richtige Richtung leiten. Dazu benötigen die Organe und Knochen allerdings eine gewisse Anpassungszeit. Die Kombination aus Reizen und Anpassungszeit bietet der Kämpfer bzw. Sportler seinem Körper durch das regelmäßige Training. Umgekehrt führt das Ausbleiben von Reizen zum Abbau von Körperstrukturen, so daß dieses Prinzip auch erklärt, daß der Körper ständig Leichtbau betreibt, z.B. indem Muskeln während einer Trainingspause erschlaffen und sich auf das benötigte Maß verkleinern.


Wörterbuch der Sportwissenschaft und Sportmedizin herausgegeben von Michael Kent, ist ein außerordentlich fettes Nachschlagewerk für die wichtigsten Begriffe in der Sportwissenschaft. Interessante Stichwörter:
Der Ringelmann-Efekkt beschreibt, daß die Leistung Sportlergruppen nicht linear, sondern nur degressiv mit der Anzahl der Teilnehmer wächst, Ringelmann hat dies an Versuchsgruppen im Tauziehen beobachtet.
Der WBGT-Index stammt von der US-Army und bewertet die Witterungsverhältnisse um die Hitzebelastung der Soldaten abzuschätzen.
Limpert-Verlag, ISBN 3-7853-1615-1
Biomechanik der Sportarten herausgegeben von Klaus Willimczik, enthält viele Zahlenwerte und Hinweise auf die allgemeine Funktion des menschlichen Körpers. Der allgemeine Teil gibt einen historischen Überblick über die Entwicklung der Biomechanik, biologische Prinzipien. Im zweiten Teil folgen verschiedene Kapitel von unterschiedlichen Autoren, die sich mit Kunstturnen, einzelnen Disziplinen aus dem Wasser- und Wintersport sowie den Sportspielen befassen. Erkenntnisse für die Kampfsportarten können also nicht direkt aus dem Buch abgeleitet werden. Wer aber genau hinsieht, kann aus den ausführlichen Untersuchungen dennoch wertvolle Schlüsse ziehen.
Verlag rororo-Sport, ISBN 3-499-18601-2.
Biomeccanica del Judo von Attilio Sacripanti. Aufgrund der reichhaltigen Bebilderung kann man aus diesem in italienischer Sprache verfaßten Werk eine Reihe interessanter Informationen gewinnen. Die Verwendung der vielen Formeln hinterläßt bei mir jedoch den Eindruck, daß das Werk ein wenig übertreibt - nicht weil die Formeln schlecht sind, sondern, weil die Modellierung zu detailliert ist. Verlegt bei Edizioni Mediterranee, Rom 1989 (ohne ISBN).
Biomechanische Grundlagen der Ausdauer von Saziorski. Dieses Buch ist in großen Teilen eine umfassende Literaturzusammenstellung, ergänzt durch viele interessante Zahlenwerte. Das russische Original wurde vom renommierten Institut für Körperkultur und Sport in Moskau verlegt daher kann bei den Daten angenommen werden, daß sie aus intensiver und wissenschaftlich fundierter Forschung stammen. Deutsche Übersetzung: Sportverlag Berlin 1987, ISBN 3-328-00148-4.
Koordinatives Anforderungsprofil und Koordinationstraining von Prof. August Neumaier. Der Autor ist Inhaber des Lehrstuhls für Bewegungslehre/Biomechanik an der Ruhr-Uni Bochum. Seine Grundthesen lassen sich grob so zusammenfassen: Die Gleichgewichtskontrolle wird vom Körper mit höchster Priorität behandelt. Jede Situation, die zum Verlust des Gleichgewichts führt, zwingt den Sportler zur sofortigen Änderung des Bewegungsprogramms - nur in Ausnahmefällen kann dies verhindert werden (Beispiel Fallwürf beim Handball).
Das Training der Bewegungskoordination kann sehr speziell (=in der Kampftechnik) erfolgen, oder sehr allgemein (z.B. Balancieren auf Pfählen).
Zum optimalen Training empfiehlt Neumaier außerdem, Übungen nicht exakt, sondern nur ähnlich zu wiederholen.
Die größere Effizienz bietet das spezielle Training. Der Kampfsportler kann daraus nur eine Lehre ziehen: Weg mit den vielen Ersatzübungen (z.B. Kata) wenn das Ziel Wettkampf oder Selbstverteidigung heißt. Sport & Buch Strauß, ISBN 3-89001-500-X, 36 DM.
Die Biomechanik der Shotokan-Karate-Techniken unter der besonderen Berücksichtigung der Kampfstellungen von Georg F. Weber. Der Autor stellt verschiedene Stellungen des Shotokan-Karate dar und führt auch ausführliche mathematische Analysen durch. Das Heft wurde offenbar ohne besonderen Anlaß (wie z.B. Dissertation o.ä.) 1984 in Erlangen veröffentlicht.