Auf Seite 44/45 stellt Stephen K. Hayes in 6 Bildern dar, wie eine
Vorwärtsrolle beim Verlassen eines Fahrzeuges angewendet wird. Auf den
vorangehenden Seiten wird die Vorwärtsrolle so beschrieben: Der
Verteidiger wendet die Vorwärtsrolle an, wenn er hingeworfen oder nach
vorne gezogen wird. Die natürliche Bewegung und Energie der gegnerischen
Angriffstechnik werden durch das Abrollen des Körpers erhalten und sogar
verstärkt, so daß der Verteidiger sie benutzen kann, um am Ende
der Rolle wieder auf die Füße zu kommen, anstatt auf Gesicht und
Brust liegen zu bleiben. Die Bildsequenz ist ohne weiteren Kommentar
abgelichtet, in deren Verlauf das Fahrzeug das Bild von links nach rechts
durchquert und Hayes entgegen der Fahrtrichtung herausrollt.
Dass das ganze Humbug ist, erkennt man bei genauer Betrachtung der Bilder,
wenn man sein Augenmerk auf die Bremsleuchten und zwei kleine Ölflecken auf der Fahrbahn
(in der Nähe des Hinterrades) lenkt.
Sie beweisen, daß das Fahrzeug im entscheidenden Augenblick -wenn Hayes
das Fahrzeug mit einer Rolle verläßt- steht. Der Eindruck von
Bewegung entsteht vermutlich dadurch, daß die beiden Fotos mal
am rechten und mal am linken Rand abgeschnitten wurden, was dann so
aussieht, als habe sich der Wagen bewegt. Aus physikalischer Sicht wäre
es vollkommen unsinnig und schmerzhaft, entgegen der Fahrtrichtung wegzurollen.
Wenn das Fahrzeug schnell fährt, haben die Insassen die gleiche Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit, wie das Fahrzeug. Will man also die Bewegungsenergie weiterverwenden -wie Hayes den Sinn der Rolle beschreibt- muß man also in Fahrtrichtung weiterrollen, und nicht entgegen der Fahrtrichtung. Das kann man an einem Beispiel nachvollziehen:
Trotz allem ist es nicht ganz schmerzlos, in Fahrtrichtung aus einem schnell fahrenden Auto zu rollen, da man beim Absprung noch nicht die Rollgeschwindigkeit hat, die der Geschwindigkeit des Fahrzeuges entspricht.
Wenn man entgegen der Fahrtrichtung abspringt oder einen entgegen der Fahrtrichtung drehenden Reifen absetzt, entsteht beim Bodenkontakt viel Reibungswärme, weil die Drehung abgebremst und umgekehrt werden muß. Beim Menschen führt diese Reibung -je nach Geschwindigkeit des Fahrzeuges- zu zerfetzten Kleidern und Hautverbrennungen. Mehr noch: Wenn man aus einem fahrenden Auto entgegen der Fahrtrichtung abspringt, hat man ja kaum eine eigene Drehung. Sobald man die Hand aufsetzt, bremst diese den Körper. Diese Reibungskräfte strecken den Körper, wirken also dem gewünschten eindrehen so entgegen, daß es gar nicht zu einer Rolle kommen kann. Hayes würde also flach rutschend und mit den Füßen voran in Fahrtrichtung weitergleiten - so wie ein Motorradfahrer, der auf gerader Strecke von seiner Maschine gefallen ist.
Aus einem langsam fahrenden Fahrzeug kann man so abspringen, daß man nach der Landung steht. Aber wie schnell darf dafür das Fahrzeug sein! Erfolgreiche 100-m-Läufer erreichen Geschwindigkeiten bis 40 km/h, benötigen dafür aber auch einen Anlauf von 25-30 m. Also keine Chance für einen Absprung nach hinten aus einem schnellen Fahrzeug.
Wer ein fahrendes Auto verlassen will, sollte es so verlassen, daß er in Fahrtrichtung mitlaufen kann, bevor er ganz abspringt. Bei zu hoher Geschwindigkeit kann daraus ein Sturz werden, dessen Folgen man wiederum mit einer Rolle mildern kann. Es würde aber nur zusätzlichen Schaden verursachen, wenn man sofort in eine Rolle hineinspringt, denn um den nicht-rotierenden Körper in Rotation zu versetzen, müssen Reibungskräfte wirken. Wenn man mit dem Arm zuerst aufkommt, führen diese Reibungskräfte zuerst am Arm zu Verbrennungen.